Positionierung von Bildelementen
Bei Bildaufbau in Malerei und Fotografie gelten feste Regeln, die ihre Wirkung nie verfehlen werden, weil sie schlichtweg den harmonischen Gesetzen der natürlichen Formen und der Wahrnehmung entsprechen. Bei genauerer Betrachtung wird man feststellen, daß natürliche Formen und deren Segmente stets in harmonischen Verhältnissen zu einander stehen.
Diese Harmonik der Verhältnisse ist nicht nur auf die optische Wahrnehmung begrenzt, sondern findet zumindest auch im musikalischen Erleben, genauer gesagt in den Intervallproportionen seine Entsprechung und zählt damit zu den harmonikalen Grundlagen. Daher findet man ein Bild als unharmonisch oder unruhig, wenn wesentliche Bildelemente nicht wenigstens ungefähr den harmonischen Verhältnissen entsprechen.
In der bildenden Kunst hat man seit der menschlichen Vorgeschichte von der Wirkung dieser grundlegenden Maßverhältnisse gewußt oder sie instinktiv angewendet.
Gewichtung der Bildelemente
Durch bewußte Gewichtung der Bildelemente und deren Proportionen entstehen Beziehungen und Zusammenhänge – Dynamik, Trennung oder Langweile, Ruhe oder Spannung.
Standortwahl
Die Standortwahl ist beim Fotografieren für die Positionierung und Betonung von Bildelementen das Mittel erster Wahl. Schauen Sie sich Ihr Motiv in Ruhe an, bewegen Sie sich vor ihm und probieren Sie verschiedene Standorte; gehen Sie in die Hocke oder erhöhen Sie Ihren Betrachtungspunkt. Schnell werden Sie feststellen, wie das Motiv mit unterschiedlichen Bildwirkungen zu Ihnen “spricht”. Begreifen Sie alle Bildelemente, als ausgewählte Konstellation von Symbolen, die zueinander und zum Betrachter sprechen.
Horizontline
Sobald der Horizont im Bildausschnitt zu sehen ist, besitzt er maßgebliche Bildbedeutung. Er betont das Verhältnis eines Betrachters zum Bild, mehr als dies ohne ihn der Fall wäre und relativiert den Betrachtungspunkt auf einen nachvollziehbaren Standpunkt. Außerdem teilt der Horizont in mindestens zwei Hauptelemente: Himmel und Erde. Eine zu regelmäßig mittige Horizontlinie wirkt oft monoton. Definiert man im Bildausschnitt in einer Zwei-Drittel-Regel den Horizont zu Gunsten Himmel oder Erde, wird das Gesamtmotiv leichter oder schwerer. Bei einen tief liegendem Horizont führt der Blick in die Weite des Himmels.
Natürlich ist es als betontes Stilmittel möglich, den Horizont zu kippen. Allerdings muß das zum Hauptmotiv passen und sollte, wenn überhaupt, deutlich erfolgen. Ein nur leicht gekippter Horizont wirkt sehr schnell störend. Bei Gewässern sind schiefe Horizontlinien ganz besonders unpassend.
Das menschliche Auge will übrigens immer einen Horizont ausmachen, auch bei Indoor-Aufnahmen. Dann gelten horizontale Geraden als Horizontmarker und Vertikale Linien als ihr 90-Grad-Pendant.
Hinzufügen oder Wegnehmen von Bildelementen
Um eine harmonische Bildwirkung zu erzielen, ist es manchmal nötig störende Bildelemente zu eliminieren. In der klassischen Fotografie geschieht dies vornehmlich durch Standortwahl und gewählter Schärfenuntiefe. Die Unschärfe löst störende Strukturen in ihrer Umgebung auf.
Andererseits kann auch sein, daß ein dominierendes Bildelement einen entspannenden Gegenpol benötigt. Überlegen Sie sich, wie Sie Bildelemente hinzufügen können. Im Bereich des Composings ist dies natürlich eine Aufgabe der Nachbearbeitung.
Goldener Schnitt
Der Goldene Schnitt ist das klassische Proportionenverhältnis. Eine Teilstrecke A verhält sich zur Teilstrecke B wie die Gesamtstrecke A+B zu A.
Das klingt komplizierter als es ist. In der Regel wendet man bereits aus eigener Intuition den Goldenen Schnitt an. Ein detailliert geplanter, ausgemessener Goldener Schnitt ist nicht nötig. Die Harmonie des Bildschnittes und der Proportion zum Goldenen Schnitt “rastet” mit probieren oft instinktiv ein.
Zweifach Goldener Schnitt im Auge, möglicher Fokus wäre auch in der Perle des Ohrrings, dann aber nicht mehr im Golden Schnitt.
Weitere Beispiele des Goldenen Schnitts bei Portraits und Landschaften:
Übrigens: den Blick der Person sollte man wie hier zur Bildmitte richten – es gibt auch seltene Ausnahmen.
Bildaufbau und Bildwirkung - Teil 2
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