Die photokina 2014 geht heute zu Ende, ich war wieder mal nicht dort und bereue es nicht obwohl ich Karten und Fahrtgelegenheiten reichlich hatte. Warum braucht mich die photokina, ich sie aber nicht?

Der Gründe sind ganz einfach zu erklären: Die photokina braucht mich, denn ich liege voll in ihrer Zielgruppe – demoskopisch zumindest. Ich brauche die photokina nicht, weil ich nicht vor habe, ihren Regeln zu entsprechen.

Die Fotografie ist ein ewig selbst-zirkulierender Technikmotor, ein Perpetuum Mobile der Wünsche und Angebote, allesamt unter dem Deckmantel ‘perfekte Fotografie’ beheimatet. Die Jagd nach dem idealen Bild suggeriert die Ausrichtung nach stets neuesten Kameras, Objektiven und Zubehörkombinationen jedweder Art.

Dabei erfindet sich gerade die Fotoindustrie jedes Jahr neu und lässt faktisch keine einzige Möglichkeit der Umsetzung offen.

Doch, eine ist offen! Eine einzige Möglichkeit fotografisch erfolgreich zu sein, wenn Motive und Techniken sich immer mehr angleichen: Der Individuelle Weg. Fotografie als Idealismus zu sehen, mit Herzblut zu fotografieren, sich auf sein ‘Inneres Auge’ zu verlassen. An all den Ständen der photokina wird ein ‘Inneres fotografisches Auge’ nicht erklärt, geschweige denn propagiert. Für die Messe selbst, wäre es schädlich, wenn zu Viele der Zielgruppe anders sehen und anders fotografieren, Technik durch Aufmerksamkeit substituieren.

Ein ‘Inneres fotografische Auge‘ muß über viele Jahre geflissentlich aufgebaut werden, tausende, hunderttausende Fotos müssen kreiert und konsumiert werden, bis sich ein Qualitätsfaktor – nennen wir ihn mal den X-Faktor, einstellt. Die Fähigkeit mit dem ‘Herzen zu sehen’ ist auf den Hochglanzprospekten nicht abbildbar, sie ist nicht in Tabellen fassbar und daher auch nicht von Konzernen vereinnehmbar.

Was nach dem ‘Wort zum Sonntag klingt’ ist die Binsenweisheit der Fotografie – der Fotografie, als Teil der Kunst, nicht als Teil des Handwerks. Fotografieren ist eine Herzensangelegenheit, sie steht der Malerei und der Bildhauerei viel näher, als der Optik, dem Maschinenbau, dem Produkt- oder Social-Media-Marketing. Was ein fotografierender Mensch mit dem Herzen nicht sieht, wird er niemals fotografieren können. Im Ausnahmefall wird er es fotografieren, aber kurz darauf als nicht wertvoll genug erkennen und daher verwerfen.

Manchmal werde ich belächelt, wenn ich Workshops mit ähnlichen Erklärungen beginne, aber eher weniger, wenn ich ein paar Stunden Zeit hatte, meine differenzierte Sicht der Fotografie darzulegen.

In der Hand eines jeden Fotografen, eines Handy-Knipers gleichermassen, liegt eine respektable Zeitmaschine. Mit jeder Kamera kann ein wertvoller Moment, ein unwiederbringlicher Augenblick, auf Dauer konserviert werden. Es gilt nur, diese Momente und Sichtweisen zu filtrieren, zu sortieren und zugänglich zu machen. Andere an solchen Werten teilhaben zu lassen ist essentielles, kostenfreies Glück, welches sich durch Teilen vermehrt.